In der Stadtratssitzung am 3.11.2011 trug Herbert Diefenthaler als Vertreter
unserer Stadtratsgruppe die folgende Rede vor.
Stellungnahme zum TOP 1: Breitbandinitiative - Antrag aus der Bürgerversammlung vom 21.09.2011
Wir Stadträte von Bündnis 90/ Die Grünen haben den Vorschlag der Verwaltung, die Stadtteile mit Funk
durch Allgäu DSL ans schnelle Internet anzubinden, bereits bei der Beratung am 30. Mai 2011 abgelehnt.
Heute liegt das Thema wieder auf dem Tisch, weil es die BürgerInnen in der Bürgerversammlung vom 21. 9. 2011
verlangt haben. Und sie hatten dazu allen Anlass, denn die Einwände gegen den ursprünglichen Vorschlag sind
einleuchtend.
Was spricht für den Vorschlag der BürgerInnen, die sich sachkundig gemacht haben und eine Glasfaserversorgung anstatt des Funks verlangen?
Die genannten fünf Punkte sprechen eindeutig für eine kabelgebundene Lösung.
Nun noch einige Bemerkungen dazu, wie die Stadt mit dem Thema umgegangen ist:
Die Bedarfsanalyse war absolut unzureichend. Wenn gerade einmal 5 % der betroffenen Haushalte antworten, so kann man
deren Wünsche nicht einfach auf die restlichen 95 % übertragen.
Ist es wirklich zu viel verlangt, wenn man erwartet, dass in einer so wichtigen Frage alle
betroffenen Haushalte mit Rückantwortmöglichkeit angeschrieben werden?
Daraus folgt, dass die Ausschreibung auf einer höchst fragwürdigen Grundlage erfolgte.
Ebenso war die Information der Betroffenen durch die Stadt keineswegs ausreichend. Zwei Informationsveranstaltungen gab es, aber erst, nachdem sich die BürgerInnen in der Bürgerversammlung gewehrt hatten. Die Auswahl der Referenten erfolgte auffallend einseitig. So fehlte z.B. ein Vertreter eines Kabelanbieters auf dem Podium.
Insgesamt stellen wir fest: Die Stadt Memmingen hat bei der Breitbandversorgung der Ortsteile jahrelang geschlafen und versucht nun, den betroffenen BürgerInnen eine Lösung aufzuzwingen, die diese überhaupt nicht wollen und die die Stadtteile auf längere Sicht von wirklich zukunftsfähigen Lösungen abkoppelt. Es würde sich wirklich lohnen, eine noch etwas längere Wartezeit in Kauf zu nehmen, um dafür anschließend eine längerfristig tragfähige Lösung zu bekommen.
Es ist auch nicht hilfreich, wenn Herr Schachenmayr den BürgerInnen, die sich in der Diskussion zu Wort melden, "Fehlinformationen" unterstellt, die auf "fehlendem Wissen" beruhten, wie er bei der Informationsvernstaltung in Eisenburg einleitend sagte. So uninformiert sind die BürgerInnen nicht. Sie haben sich nämlich darüber informiert, wie man in anderen Kommunen mit dem Thema umgeht.
Alles in Allem sind wir davon überzeugt, dass die vorgeschlagene Funkanbindung keine tragfähige Lösung darstellt.
Liebe KollegInnen, es ist noch nicht zu spät. Lassen Sie uns das wichtige Zukunftsprojekt "Internetanbindung der Ortsteile" auf eine solide Grundlage stellen, indem wir zunächst eine belastbare Bedarfsanalyse durchführen. Danach können wir in Verhandlungen mit den Kabelanbietern eintreten und innovative Konzepte wie eine Gesellschaft für den Glasfaserausbau in den Ortsteilen entwickeln.