Von: Bernhard Thrul (eMail)
An: Wolfgang Courage (eMail)
Betreff: Offener Brief zu Funkschleifen in der staatlichen Realschule
Datum: 15.11.2010 23:10:19
Mitglied des Stadtrates Memmingen
Herbert Diefenthaler
Corinna Steiger
Bernhard Thrul
Herrn Wolfgang Courage
Fraktionsvorsitzender der CRB-Stadtratsfraktion
per eMail
Offener Brief zu Ihrem Antrag vom 20.10.2010
("Einbau von Funkschleifen in der Realschule")
Memmingen, 15.11.2010
Sehr geehrter Herr Courage,
mit Verwunderung haben wir den Inhalt Ihres Antrags vom 20.10. zur Kenntnis genommen.
Sie beantragen, in der neu erbauten staatlichen Realschule Funkstrecken
anzubringen, die ein internes kabelloses Kommunizieren ermöglichen.
Sie beklagen: "Sollte sich einmal ein Alarmfall einstellen, so haben
Lehrkräfte derzeit nur wenig Chancen, schnell und umfassend
Informationen und Berichte an geeignete Stellen weiterzugeben."
Sie stellen fest: "[Die hervorragende Dämmung und damit Abschirmung des
Gebäudes] ist (...) zu begrüßen, da der Unterricht nicht durch äußere
Einflüsse gestört wird, ..." Dennoch beantragen Sie den Einbau von Funkschleifen.
Wir halten den Einbau von Funkschleifen in einer Schule für im höchsten
Maße verantwortungslos.
Da solche Funkschleifen "Dauersender" sind, würden Schülerinnen, Schüler
und Lehrkräfte während ihrer gesamten Aufenthaltsdauer in der Schule
einer erheblichen Strahlenbelastung ausgesetzt.
Dass Mikrowellenexposition zu vielfältigen gesundheitlichen Störungen
und Gesundheitsschäden führen kann, ist der unabhängigen internationalen
Forschung seit vielen Jahrzehnten bekannt. Bereits 1932 beschrieb Erwin
Schliephake in der deutschen medizinischen Wochenschrift die
charakteristischen Symptome des "Mikrowellensyndroms". Aus der
ehemaligen UdSSR liegen umfangreiche arbeitsmedizinische Dokumentationen
über mikrowellenbelastete Werktätige vor.
In den letzten Jahren haben sich die experimentellen wissenschaftlichen
Befunde über Einwirkungen von Mikrowellen auf Zellkulturen und
Versuchstiere dramatisch verschärft:
Bei Ratten wurde die Öffnung der Blut-Hirn-Schranke durch Mikrowellen
nachgewiesen, welche das Eindringen von Giftstoffen aus der Blutbahn in
das Gehirn ermöglicht. Im Rahmen des Programms "Jugend forscht" wiesen
Schülerinnen und Schüler aus Spaichingen (Baden-Württemberg) nach, dass
bereits ein zwanzigsekündiges Handytelefonat die roten Blutkörperchen
für mehrere Stunden verklumpen lässt (Folge: verschlechterter
Sauerstofftransport).
Die im Rahmen des fünften Forschungsrahmenprogramms der EU-Kommission
durchgeführte REFLEX-Studie fand bereits bei Feldstärken weit unterhalb
der gesetzlichen Grenzwerte Einzel- und Doppelstrangbrüche in der DNA
menschlicher Zellen. Die Mobilfunklobby bemüht sich zwar mit aller Macht,
diese Ergebnisse mittels eines angeblichen Fälschungsskandals
unglaubwürdig zu machen. Doch wurden die Ergebnisse mittlerweile von
mehreren weiteren Forschergruppen bestätigt.
Die Europäische Umweltagentur warnte 2007 eindringlich vor den Gefahren
elektromagnetischer Strahlung. Diese Strahlung könne eine Krise auslösen
wie jene, die durch die Entdeckung der Gefahren von Asbest, Nikotin und
bleihaltigem Benzin entstand. Zugrunde lag eine Metastudie der
"BioInitiative Working Group", welche über zweitausend einschlägige
Studien durchsah.
Jacqueline McGlade, Executive Director der Umweltagentur, erklärte:
"Die aktuelle Forschung und die Analysen der Langzeiteffekte der
Strahlung von mobiler Telekommunikation zeigen, dass es umsichtig von
den Gesundheitsbehörden wäre, Maßnahmen zu treffen, um vor allem
empfindliche Gruppen wie Kinder weniger stark dieser Strahlung
auszusetzen."
In einer Studienübersicht des Schweizer Bundesamtes für Umwelt von 2006
wird ein Zusammenhang von elektromagnetischen Feldern und Kopfschmerzen
als wahrscheinlich und konsistent eingestuft.
Im März 2007 empfahl der Bayerische Landtag: "Die Schulen werden
aufgefordert, auf drahtlose Internet-Netzwerke (WLAN) zu verzichten."
In ihrer Antwort auf eine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion vom
August 2007 schreibt die Bundesregierung: "Die Bundesregierung empfiehlt
allgemein, die persönliche Strahlenexposition durch hochfrequente
elektromagnetische Felder so gering wie möglich zu halten, d.h.
herkömmliche Kabelverbindungen zu bevorzugen, wenn auf den Einsatz von
funkgestützten Lösungen verzichtet werden kann."
Weitere Informationen zum Thema "Gesundheitsgefahren der
Mikrowellenfunktechnologie" finden Sie unter den folgenden
Internet-Adressen:
www.mobilfunk-diskussion.de
www.diagnose-funk.de
www.mobilfunkstudien.de
(Liste aktueller Studien, die gesundheitliche Effekte belegen)
www.funkfrei.net
(dort u.A. Betroffenenberichte von Hochfrequenzgeschädigten)
Sehr geehrter Herr Courage,
angesichts der geschilderten Gesundheitsgefahren halten wir den Einbau
dauerstrahlender Funkschleifen in einer Schule für nicht verantwortbar.
Wir sehen darüber hinaus auch keine Notwendigkeit dafür: Vor Einführung
der drahtlosen Mikrowellenkommunikation gab es bereits funktionierende
Sicherheitskonzepte für Schulen, die ohne mobiles Telefonieren von
Klassenzimmer zu Klassenzimmer auskamen.
Eine Argumentation mit "Die Grenzwerte werden eingehalten" führt nicht weiter: Diese Grenzwerte schützen lediglich vor Schäden durch eine übermäßige Erwärmung des Körpergewebes. Alle anderen Schädigungen (sogenannte "nicht-thermische Effekte"), welche wissenschaftlich vielfach nachgewiesen wurden (zuletzt im sogenannten "AUVA-Report"), werden dabei nicht berücksichtigt.
Mit freundlichen Grüßen
Herbert Diefenthaler
Corinna Steiger
Bernhard Thrul
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